Forschungsgruppe Performative Phänomenologie

Interdisziplinärer Forschungsverbund für Wahrnehmungsstrukturierung, Epistemologie und transdisziplinäre Psychopathologie.

Die Forschungsgruppe Performative Phänomenologie widmet sich den Schnittstellen zwischen experimenteller Kognitionswissenschaft, phänomenologischer Subjektivitätsforschung und der Ästhetik klinischer Ausnahmezustände. Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit steht die Untersuchung prädiktiver Wahrnehmungsmodelle (Predictive Processing) sowie der Mechanismen sinnstiftender Verknüpfungen unter Bedingungen hoher Ungewissheit (Apophänie).

Durch die Entwicklung integrativer Versuchsanordnungen werden theoretische Fragestellungen der Psychopathologie in den öffentlichen und kollaborativen Diskursraum überführt.

Gastprofessur & Wissenschaftliche Leitung

Prof. Dr. phil. Samuel Enslin

Prof. Dr. phil. Samuel Enslin

Lehrstuhl für Transdisziplinäre Psychopathologie und Performative Phänomenologie
Department für Neurowissenschaften und Wahrnehmungsforschung, Universität Krems / Österreich

Forschungsschwerpunkte:

  • Neurologische und phänomenologische Korrelate prädiktiver Kognitionsmodelle
  • Epistemologie und Ästhetik des Wahnwesens und der Apophänie
  • Autobiografisches Gedächtnis und perzeptuelle Varianz (SDAM, Aphantasie)
  • Performative Experimentalsysteme im wissenschaftlich-künstlerischen Kontext

Curriculum Vitae

Aktueller Vortrag & Versuchsanordnung

Architekt der eigenen Realität - Wie unser Gehirn Sinn stiftet, wo keiner ist

Wissenschaftliche Kooperation zwischen der Gastprofessur Prof. Dr. Samuel Enslin und der Forschungsgruppe Performative Phänomenologie.

  • Datum: 9.10.2026, 18 Uhr
  • Dauer: ca. 35 Min.
  • Ort: HAW Hamburg (Aula)
  • Format: Keynote & Interaktive Versuchsanordnung

Kurzbeschreibung:
Wo endet wissenschaftliche Erkenntnis und wo beginnt konstruierte Realität? In Kooperation mit der „Forschungsgruppe Performative Phänomenologie“ beleuchtet Samuel Enslin die schmale Grenze zwischen schöpferischer Ausnahmeleistung und psychotischem Erleben. Mithilfe interaktiver Wahrnehmungsexperimente und moderner Visualisierungstechnik macht er Phänomene greifbar, die sonst meist nur aus der Theorie bekannt sind.

Ausführliche Beschreibung:
Zufälle gibt es für das menschliche Bewusstsein kaum: Unser Geist neigt dazu, unzusammenhängenden Ereignissen eine tiefere Bedeutung zuzuschreiben – ein Mechanismus, der als „Apophänie“ die Grundlage jeder schöpferischen Phantasie bildet, aber im akuten Wahn zur unerschütterlichen Gewissheit wird. Ausgehend von phänomenologischen Fallstudien widmet sich der Vortrag der Frage, weshalb sowohl der künstlerische als auch der psychotische Geist darauf angewiesen sind, das Zentrum einer einzigartigen Wahrheit zu sein. Ist dieser produktive Größenwahn lediglich eine Fehleinschätzung des Selbst – oder die notwendige Voraussetzung, um bestehende Realitätsgrenzen überhaupt zu verschieben?

Das Publikum erwartet keine reine Theorie: Im Rahmen einer integrativen Versuchsanordnung werden die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Demonstration, kollektiver Wahrnehmung und der Eigendynamik des Raumes direkt vor Ort erprobt. Ein Abend über das Absolute, das Relative und die Frage, wer in diesem Setting eigentlich die Regie führt.

📄 Programmbroschüre / Flyer (PDF)

Ausgewählte Publikationen

Dissertation
  • Enslin, S. J. G. (2013): Performativität und Apophänie im psychotischen Erleben: Zur Phänomenologie der Bedeutungsschaffung im Ausnahmezustand. Dissertation, Universität Basel. Schwabe Verlag, Basel.
    [Katalogeintrag / Repository]
Monografien & Fachbücher
  • Enslin, S. J. G. (2018): Die Grammatik des Wahns: Performative Ansätze in der trialogischen Antistigma-Forschung. Passagen Verlag, Wien.
  • Enslin, S. J. G. (2022): Der Gott im eigenen Kopf: Sinn, Megalomanie und die Grenzen der Selbsterhöhung. Klett-Cotta, Stuttgart.
Wissenschaftliche Aufsätze & Journal-Beiträge
  • Enslin, S. J. G. (2016): Die Visualisierung des Unsichtbaren: 3D-Modellierung kognitiver Assoziationsräume bei akuter Apophänie. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft und Phänomenologie, 28(2), S. 112–129.
    [PDF via Institutional Repository]
  • Enslin, S. J. G. (2019): Schauspiel ohne Rolle: Die Re-Inszenierung psychotischer Evidenzerlebnisse als Methode der Entstigmatisierung. In: Journal für Angewandte Kultur- und Theaterwissenschaft, 14(1), S. 67–84.
    [PDF via Institutional Repository]
  • Enslin, S. J. G. & Weber, M. (2024): Wer führt Regie? Das Publikum als Resonanzraum megalomaner Evidenz. In: Kultur & Psychopathologie, 11(3), S. 180–198.
    [PDF via Institutional Repository]